Sperrzeit Arbeitslosengeld: Hintergrund, Gründe und Vorkehrungen

Bei Verlust des Arbeitsplatzes ohne direkte Neuanstellung, besteht in Deutschland grundsätzlich Anspruch auf Arbeitslosengeld I. Dafür müssen sich Betroffene allerdings rechtzeitig bei der Agentur für Arbeit arbeitssuchend melden und in den letzten 30 Monaten mindestens 12 Monate auch in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben.

Die Agentur für Arbeit kann aber auch eine Sperre des Arbeitslosengelds verhängen. Wir beantworten Ihnen auf dieser Seite wichtige Fragen rund um die Arbeitslosengeld-Sperre.


Wird man gesperrt, wenn man selbst kündigt?

Wird eine Beschäftigung vom Arbeitnehmer (m/w/d) selbst grob fahrlässig herbeigeführt, kann dies zu einer Sperrzeit des Arbeitslosengeldes führen. Unter grob fahrlässigem Herbeiführen wird z.B. die Eigenkündigung, der Aufhebungsvertrag oder eine selbstverschuldete Kündigung verstanden.

Kündigen Sie Ihren Job von sich aus, kann dies dazu führen, dass Sie kein Arbeitslosengeld für die Zeit unmittelbar nach Kündigung erhalten. Häufig nicht bekannt ist aber, dass das Arbeitslosengeld nach einem Aufhebungsvertrag ebenfalls zunächst ausgesetzt werden kann. Die Agentur für Arbeit unterstellt in diesem Fall dem Arbeitnehmer (m/w/d), der aus freiwilligen Stücken den Aufhebungsvertrag unterzeichnet, eine Mitschuld.

Auch noch gut zu wissen: Arbeitnehmer (m/w/d) erhalten generell Arbeitslosengeld trotz Abfindung. Anders verhält sich das aber bei einem Aufhebungsvertrag. In diesen Fällen kann die Arbeitsagentur eine Sperre von bis zu 12 Wochen auferlegen.


Wie kann man kündigen, ohne gesperrt zu werden?

Aber wie lässt sich nun eine Sperre des Arbeitslosengeldes trotz eigener Kündigung verhindern? Um das Arbeitslosengeld bei eigener Kündigung dennoch zu erhalten, empfiehlt sich schon vorab ein Gespräch bei der Agentur für Arbeit wahrzunehmen.

In einigen Fällen kann dann auch bei Selbstkündigung Arbeitslosengeld ohne Sperre ausbezahlt werden. Dafür muss ein wichtiger Grund vorliegen, der unter Umständen eine Selbstkündigung rechtfertigen kann, z.B.:

  • schlechte Arbeitsbedingungen, wie etwa mangelnde Sicherheit am Arbeitsplatz oder Nichteinhalten von Unfallvorschriften
  • Übertragung von sinnlosen oder nicht zu bewältigenden Aufgaben (Bossing) oder Mobbing durch Kollegen (m/w/d)
  • Umzug, um einen Haushalt mit dem Partner (m/w/d) zu gründen
  • Fristlose Kündigung auf einer rechtlichen Basis, da z.B. kein Lohn mehr fortgezahlt wird
  • bereits eine ernstzunehmende Aussicht auf einen neuen Arbeitsvertrag vorliegt und die Zeit zwischen den beiden Tätigkeiten überbrückt werden muss
  • gesundheitliche Umstände, die die Fortführung Ihrer Tätigkeit unmöglich machen

Bei einer Selbstkündigung erhalten Sie das Arbeitslosengeld ohne Sperre, nachdem Ihre Beweggründe entsprechend geprüft wurden. Ärztliche Atteste, Gesprächsdokumentationen, schriftliche Schilderungen, Lohnabrechnungen oder Kontoauszüge können als Belege aufgeführt werden.


Kann ich mich arbeitslos melden, wenn ich selbst gekündigt habe?

Unabhängig davon, ob die Arbeitsagentur eine Sperre verhängt oder nicht, gilt immer eine Frist von 3 Monaten bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses. In diesen 3 Monaten müssen Sie sich arbeitssuchend melden. Wenn diese Frist bei Selbstkündigung nicht eingehalten werden kann, sollte dies spätestens 3 Tage nach Einreichen der Kündigung nachgeholt werden.


Was muss ich tun, wenn ich aus gesundheitlichen Gründen kündige?

Zunächst müssen Arbeitnehmer (m/w/d) die Selbstkündigung nicht vor dem Arbeitgeber begründen. Um die Sperrzeit des Arbeitslosengeldes bei Selbstkündigung zu umgehen, sollten aber für die Agentur für Arbeit entsprechende Atteste vom Arzt eingeholt werden.

Wenn die bisherige Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausgeübt werden kann, gibt es unterstützende Maßnahmen im Rahmen der beruflichen Rehabilitation. Die von der Rentenversicherung finanzierten Maßnahmen umfassen beispielweise Umschulungen oder Coachings, mit dem Ziel der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt.


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