Gefahrguttransport: aktuelle Vorschriften und Gesetze

Seit dem Tanklastzugunglück in Herborn im Jahr 1987 mit fatalen Folgen, sechs Menschen starben damals, gelten besondere Vorschriften und Gesetze für den Gefahrguttransport. Nach diesem Vorfall wurde mit der Gefahrgutbeauftragtenverordnung die Grundlage für die betriebliche Kontrolle, Beratung und Schulung in den Unternehmen geschaffen.

Ferner gilt auch das „Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße“ (ADR), welches als Grundlage für das deutsche Gefahrgutbeförderungsgesetz dient. Wir beantworten Ihnen hier die wichtigsten Fragen rund um das Thema Gefahrguttransport Vorschriften und Gesetze.


Was heißt ADR?

Bis 2020 wurde ADR von „Accord européen relatif au transport international des marchandises Dangereuses par Route“ abgeleitet. Heute steht die Abkürzung für „Accord relatif au transport international des marchandises Dangereuses par Route”. Das Übereinkommen wurde am 30. September 1957 in Genf unterschrieben. Initiiert durch die Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Union (UNECE) beinhaltet es explizite Gefahrgut Vorschriften, die sich auf Kennzeichnung, Verpackung und Ladung beziehen. Zu den ersten Unterzeichnerstaaten gehörten auch Frankreich und Deutschland. Inzwischen haben alle EU-Staaten das ADR unterzeichnet. Die 52 Mitgliedstaaten gehen dabei weit über die EU hinaus, so gehören zum Beispiel auch Tunesien, Marokko und Kasachstan zu den Unterzeichnern.


Für welche Beförderungen gilt das ADR?

Das ADR gilt sowohl für private als auch für gewerbliche Transporte von Gefahrgütern. Es bezieht sich dabei auf die sichere Beförderung auf der Straße und definiert u.a. die folgenden Bereiche:


Wie häufig ändert sich die Gefahrgutverordnung?

Die Gefahrgutverordnung (GGVSEB) wandelt die jeweils aktuelle Version des ADR in deutsches Recht um. Das ADR wird alle 2 Jahre auf neue juristische und technische Gegebenheiten angepasst. Die Änderungen der aktuellen Version von 2021 betreffen vor allem Begrifflichkeiten, Kennzeichnungen, UN-Nummern, Verpackungsweisen sowie die Beförderung von Lithium-Batterien und Akkumulationen. Diese Neuerungen müssen spätestens seit 1.Juli 2021 angewendet werden.

Der ehemalige Titel « Accord européen relatif au transport international des marchandises Dangereuses par Route“ wurde zudem abgeändert. So geht das ADR längst über den geografischen und politischen Bereich Europas hinaus, sodass Europa (européen) aus der Bezeichnung gestrichen wurde.


Welches nationale Gesetz nimmt sich dem Thema Gefahrgut an?

Das ADR wird in Deutschland durch das Gefahrgutbeförderungsgesetz (GGBefG) in nationales Gesetz umgewandelt. Es ist das grundlegende Gesetz, das die Beförderung gefährlicher Güter mit Eisenbahn, Magnetschwebebahn, Straßen-, Wasser- und Luftfahrzeugen regelt. So legt es zum Beispiel Zuständigkeiten fest und definiert den Begriff Gefahrgut.


Was regelt die Gefahrgutverordnung?

Das Gefahrgutbeförderungsgesetz wird wiederum für die spezifischen Bereiche in Gefahrgut-Vorschriften konkretisiert:

  • Gefahrgutverordnung See (GGVSee) regelt den Gefahrguttransport auf See.
  • Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und Binnenschifffahrt (GGVSEB) löst seit 2009 die Gefahrgutverordnung Straße und Eisenbahn – GGVSE und die Gefahrgutverordnung Binnenschifffahrt GGVBinSch ab. Sie regelt den Gefahrguttransport auf der Straße, Schiene und mit Binnenschiffen.
  • Gefahrgut-Ausnahmeverordnung (GGAV) enthält Ausnahmen der GGVSEB und GGVSee.
  • Gefahrgut-Kontrollverordnung (GGKontrollV) sichert ein einheitliches Vorgehen bei Kontrollen von Gefahrguttransporten auf der Straße und in Unternehmen.


Was braucht man, um Gefahrgut zu transportieren?

Ein Gefahrguttransport kann in Deutschland auf unterschiedliche Art und Weise durchgeführt werden. Neben Lkw, Schiff, Bahn oder Flugzeug können Kleinstmengen auch unter bestimmten Voraussetzungen per privatem Pkw transportiert werden.

Nationale und internationale Vorschriften fordern die regelmäßige Unterweisung von an der Gefahrgutbeförderung beteiligten Personen, z.B. 1.3 ADR.


Wann darf ich Gefahrgut transportieren?

Das ADR bzw. die GGVSEB legen einige Regelungen für Lkw-Fahrer (m/w/d), die Gefahrgut transportieren, fest. Dazu gehören z.B.: Vorgaben zu Verpackungen, Angabe von UN-Nummern und Gefahrzetteln (Kennzeichnung von Gefahrgütern).

Für die kennzeichnungspflichtige Beförderung von Gefahrgut ist das Absolvieren eines Lehrgangs und das erfolgreiche Bestehen einer Prüfung für den Erhalt des ADR-Scheins notwendig.