DEKRA Aviation Tage 2016

DEKRA Aviation Tage 2016

Die 7. DEKRA Aviation Tage führten uns 3 Tage lang nach Braunschweig, der Stadt des Löwen sowie administratives Zentrum der DEKRA Akademie GmbH – Industrie & Aviation. Fachgespräche und Außenvorträge, ergänzt um ein tolles Rahmenprogramm, lassen uns diese Veranstaltung lange in Erinnerung behalten.


Tag 1 - Gefahrgut

Den Auftakt am 14.06.2016 bildete der Gefahrgutbereich, der mit zwei Vorträgen zum Erkennen von nicht deklariertem Gefahrgut die Veranstaltung eröffnete: Während Herr Oliver Baumgart (DEKRA Akademie GmbH Industrie & Aviation) die aktuelle Situation im Luftverkehr insbesondere unter Berücksichtigung der sicheren Lieferkette kritisch betrachtete, stellte Herr Ken Rohlmann (Global Dangerous Goods Safety Advisor Hapag-Lloyd) auf Grund ähnlich gelagerter Probleme im Seeverkehr mit dem Cargo Patrol Web Portal auf sehr anschauliche Weise ein lösungsorientiertes Beispiel vor, welches von seiner Grundlage her auch Verwendung im Luftverkehr finden könnte.

Im folgenden kurzweiligen Streitgespräch der an der Beförderung gefährlicher Güter beteiligten Unternehmen und Behörden begegneten sich Frau Birgit Jansen (Birgit Jansen Gefahrgutschulung und Beratung) und Herr Mario Gaede (PHK Zentraler Verkehrsdienst – Sonder-verkehr – Polizei Berlin). Hier wurde deutlich, wie gleiche Rechtsgrundlagen unterschiedlich interpretiert werden, sich aber auch ein Verständnis für das jeweilige Gegenüber entwickeln kann.

Es folgte Herr Dr. sc. nat. Dietrich Eckhardt (Bundesanstalt für Materialprüfung und Forschung), der in seinem Vortrag zur Gefahrgutklasse 1 „Explosive Stoffe und Gegenstände mit Explosivstoff“ die Komplexität internationaler Gefahrgutvorschriften und nationaler Vorschriften aufzeigte und auf die rechtlichen Fallstricke bei diesem speziellen Gefahrgut hinwies.

Frau Daniela Schulte-Brader (Redakteurin Springer Fachmedien München GmbH) erläuterte die Vorteile für alle an der Beförderung Beteiligter, um mit einer Datenbank schnell von der UN-Nummer zum Beförderungspapier zu gelangen.

Abschließend konnten wir Frau Dr. Antje Muthesius (DEKRA Assurance Services GmbH) begrüßen, die mit ihrem Fachvortrag zur Klassifizierung und Einstufung von Gefahrstoffen und Gefahrgütern auf das gerade für die Versender und Beförderer wichtige, nicht selten unterschätzte und vernachlässigte Zusammenspiel von GHS, MSDS und UN-Kriterien einging.

Dass beim Umgang mit gefährlichen Gütern auch mit repressiven Maßnahmen gerechnet werden muss, wurde im Außenvortrag der Freiwilligen Feuerwehr Wolfenbüttel veranschaulicht. Hier zeigten die Kameraden bei der Vorstellung ihres Gefahrguteinsatzfahrzeuges die damit verbunden Einsatzmöglichkeiten bei Gefahrgutzwischenfällen und im Katastrophenfall, aber auch, welch hohe personelle, materielle und organisatorische Aufwände damit verbunden sind.


Tag 2 – Aviation Safety und Überleitung zu Aviation Security

Der zweite Tag der diesjährigen DEKRA Aviation Tage wurde mit spannenden Vorträgen zu den Themen Aviation Safety – Sicherheit im Luftverkehr eingeleitet.

Die geladenen Referenten boten besondere Einblicke in verschiedene Bereiche des Safety Managements in der Luft- und Raumfahrtindustrie.

Im ersten Vortrag bot der langjährige Langstrecken Pilot Klaus Giesbert einen weitreichenden Blick in die psychische und physische Belastung von Piloten. Anhand von tatsächlichen Dienstplanbeispielen und auch reellen Fotos wurde dem Zuhörer die tatsächliche Belastung von Piloten bildlich dargestellt.

Der Sachverständige Axel Rokohl von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung lieferte mit seinem Beitrag einen Einblick in die Unfallanalytik von Flugunfällen. Herr Rokohl stellte während seines Vortrages die Ursache von zwei Hubschrauberunfällen in Deutschland dar. Den Zuhörern wurde bewusst, wie schwer die Ermittlung des Unfallhergangs oftmals ist.

Während des Außenvortrages in den Räumlichkeiten der BFU wurde den Teilnehmern der Konferenz die Analytik vor Ort veranschaulicht: In der sogenannten "Schrotthalle" wurden exemplarisch weitere Unfälle und deren Hergang vorgestellt.

Auch die Thematik der unbemannten Raumfahrt fand während der DEKRA Aviation Tage Berücksichtigung: Herr Glöckner, Safetymanager bei der DLR GfR GmbH stellte die Anforderungen an ein Safetymanagementsystem in der unbemannten Raumfahrt dar. Die DLR GfR Gesellschaft betreibt am Sonderflughafen in Oberpfaffenhofen das Galileo Kontrollcenter, welches die europäischen Navigationssatelliten überwacht und deren Einsatz regelt. Im Vergleich zu der bemannten Luftfahrt steht hier das Ziel der uneingeschränkten Nutzbarkeit der Satelliten über den jeweiligen Lebenszyklus im Vordergrund. Unsere Zuhörer haben jedoch erfahren, dass dennoch viele Parallelen zu den Managementsystemen der Luftfahrt bestehen.


Überleitung zu Aviation Security

Die Überleitung zum Fachbereich Aviation Security erfolgte nach der Mittagspause durch Herrn Ernst G. Walter – Bundesvorsitzender der DPolG Bundespolizeigewerkschaft durch die Fragestellung, inwieweit das öffentliche Gemeinwesen Einfluss auf die Passagierkontrolle als hoheitliche Aufgabe hat. Es folgten Beiträge von Herrn Klaus-Peter Willsch, MdB sowie Herrn Prof. Dr. iur. Giemulla zu der Bedeutung der Luftsicherheitspolitik in Deutschland bzw. der Verantwortung des Luftsicherheitsbeauftragten. Bevor das Abendessen eröffnet wurde, durften die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einer sonnigen Regenpause die Löwenstadt vom Wasser aus erkunden: Ausgestattet mit Regenoveralls wurden wir per Floß durch Braunschweig geleitet und konnten neben der Luftsicherheit auch die Historie Braunschweigs ein wenig erkunden. Trocken wieder angekommen folgte die Abendveranstaltung, die den zweiten Abend schließlich gemütlich im Austausch mit anderen Teilnehmern ausklingen ließ.


Tag 3 – Aviation Security

Der dritte und letzte Tag der diesjährigen DEKRA Aviation Tage bot wieder ein breites Spektrum an Vorträgen und Informationen, so seien hier einleitend die Beiträge der Herren Gangfuß (Explosives aus der Luftfracht – Entwicklung der Bedrohungslage), Du Toy van Hees, welcher das Ende der Lieferkette betrachtete und Bramm zur Ausweitung des Luftsicherheitsgesetzes auf die sichere Lieferkette genannt.

Der Leiter des Referats 24 des Bundespolizeipräsidiums, Herr Dr. Steffen Richter, stellte die Wettbewerbsfähigkeit unter den Gesichtspunkten Effizienz und Sicherheit auf den Prüfstand, bevor Frau Loga, Abteilungsleiterin Luftsicherheit im Luftfahrt-Bundesamt zum Sachstand RegB – Fortbestand des transportierenden RegB referierte.

Herr Reinhard Lahmer begeisterte das Podium mit seinem Vortrag über das Thema „Zertifikat oder Falsifikat? Die Brisanz gefälschter Dokumente in der Luftsicherheit vor dem Hintergrund der aktuellen Bedrohungslage“ und veranschaulichte anhand vieler praxisbezogener Beispiele die Aktualität dieser Problematik.

Nach der Mittagspause folgten wir gestärkt den Ausführungen von Herrn Matthias Petersen, der sich als Referatsleiter Luftsicherheitsschulungen (S2) des Luftfahrt-Bundesamtes mit den Herausforderungen auseinandersetzte, die Ausbildern, Behörden wie auch Unternehmen im Hinblick auf die aktuellen Luftsicherheitsschulungen gestellt werden.

Anschließend war ein gespannt erwarteter Beitrag der Behörde der Landesbeauftragten für den Datenschutz Niedersachsen geplant, der leider aufgrund eines Unfalls des Referenten kurzfristig abgesagt werden musste. Nichts desto trotz leitete uns Herr Dr. Mattias Fischer seinen Beitrag im Nachgang noch zu, so dass uns der Inhalt seines äußerst interessanten Referates nicht vorenthalten blieb, vielen Dank dafür!

Herr Leppelt, Geschäftsführer der Firma praemandatum GmbH, zog seinen Vortrag zum Thema Cyberkriminalität und achtsamer Umgang mit dem Datenschutz vor und öffnete vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern abschließend auf sehr anschauliche Art und Weise die Augen und Ohren – George Orwell sei Dank!


Resümee

Während der 3 Tage konnten wir jede Menge neuer Erkenntnisse ziehen und haben Einblicke in die verschiedensten Themen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln erhalten. Sicherlich waren die angesetzten 30 Minuten je Vortrag oftmals viel zu kurz und nicht ausreichend für eine umfangreiche Betrachtung der Themen, was auch von Ihnen das ein oder andere Mal zu Recht kritisch bemerkt wurde; jedoch bot die abschließende Podiumsdiskussion noch einen runden Abschluss der Veranstaltung, bei dem schließlich die eine oder andere Frage noch beantwortet werden konnte. Alles in allem ergab der Mix aus Theorie und Praxis – denn der Flugsimulator, der den einen oder anderen Teilnehmer vom Drehstuhl- zum Boeing-Piloten werden ließ, soll nicht unerwähnt bleiben – eine gelungene Veranstaltung im Rahmen unserer alljährlichen DEKRA Aviation Tage. Hierzu steuern Sie als Teilnehmer/-in einen großen Anteil bei, daher gilt unser DANKESCHÖN allen Anwesenden und Interessierten, die uns in diesem Jahr wieder bei den DEKRA Aviation Tagen begleitet haben!

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