DEKRA Aviation Tage 2014

DEKRA Aviation Tage 2014

Auch unsere diesjährigen „DEKRA Aviation Tage 2014 – Security & Safety“ vom 20. – 22. Mai 2014 im Seehotel Zeuthen im Südosten Berlins wurden wieder durch strahlenden Sonnenschein begleitet. So ist es nicht verwunderlich, dass neben den hervorragenden Vorträgen und dem Rahmenprogramm insbesondere der persönliche Austausch rund um Themen der Luftsicherheit in dieser - fast schon Urlaubsatmosphäre - gerne genutzt wurden.

Das Team der DEKRA Industrie & Aviation bedankt sich bei allen Gästen für das Interesse und den regen Diskussionsaustausch. Sie alle haben dazu beigetragen, dass unsere 5. „DEKRA Aviation Tage“ wieder ein voller Erfolg waren!

Den Mittelpunkt bildete in diesem Jahr der Rückblick auf „Ein Jahr sichere Lieferkette“ und zukünftige Aussichten die Sicherheitsvorkehrungen in der Zivilluftfahrt betreffend. Die Vorträge zeichneten sich dadurch aus, dass Theoretisches praxisnah fundiert vorgetragen wurde.

Zu Beginn des ersten Tages zeigte uns Herr Dr. Steffen Richter vom Bundespolizeipräsidium eindrucksvoll auf, dass auf Sicherheit - gerade im Luftverkehr - auch zukünftig nicht verzichtet werden kann. Eine besondere Rolle spielt dabei ein perfekt funktionierendes System. Neben der Gefahrenerkennung, ausgereifter Technik und gut qualifiziertem Personal besteht auch die Herausforderung, auf wachsende Passagierzahlen reagieren zu können - also einen hohen Durchsatz bei hoher Qualität zu erzielen.

Frau Marie-Caroline Laurent von der IATA konnte uns einen interessanten Einblick in das laufende Projekt CEIV geben. Dort findet die Ausbildung angehender unabhängiger EU-Validierer, Luftfahrtunternehmen, Flughäfen und sonstiger Beteiligter im Luftverkehr Anwendung.

Herr Michael Döring von der EU Kommission gab uns bereits einen Hinweis zu geplanten Neuregelungen. So soll es bald den Status „SPX by RA“ geben, d.h. reglementierte Beauftragte können dann der Beginn der sicheren Lieferkette für Luftfracht sein. Voraussetzung dafür ist, dass eine Ware erst im Lager des reglementierten Beauftragten als „Luftfracht“ identifiziert wird. Die Verpflichtung von weiteren Transporteuren durch Transporteure mittels Transporteurserklärung soll ebenfalls eingeführt werden.

Herr Jonathan Zimmerli und Herr Holger Caspari vom BAZL gaben uns einen Einblick in die gut strukturierte Arbeitsweise beim Thema Luftsicherheit der Schweizer Zivilluftfahrtbehörde.

Herr Sebastian Dreyer vom BDL berichtete uns von den Erfolgen der 4-Liter-Flotte. Er verwies aber auch auf die ungleichen Rahmenbedingungen im globalen Wettbewerb der zivilen Luftfahrt. Diese ergeben sich beispielsweise durch den europäischen Emissionshandel, den fehlenden Single European Sky aber auch die unterschiedlichen Regelungen für Transferkontrollen.

Der peppige Vortrag für das ernste Thema Datensicherheit von Herr Peter Leppelt ließ viele Zuhörer aufmerken und die eigene Unbekümmertheit beim Umgang nicht nur mit ihrem Smartphone überdenken.

Herr Dominik Scharf, Niederlassungsleiter der DEKRA CSS, berichtete über die abwechslungsreiche Arbeit einer Luftfrachtkontrollstelle und die ständig neuen Herausforderungen. Diese bringen die Bedingungen der zu kontrollierenden Packstücke und Sendungen so mit sich.

Zu Beginn des zweiten Tages erläuterte Frau Birgit Loga, Leiterin der Abteilung S des Luftfahrt-Bundesamtes unter anderem den Stand der Zulassung bei den Beteiligten der sicheren Lieferkette. Es ist klar ersichtlich, dass aufgrund der verschärften Anforderungen, die zur Anerkennung durch den reglementierten Beauftragten erforderlich sind, die Zahl der anerkannten geschäftlichen Versender rapide zurückgegangen ist. Des Weiteren gab sie einen Ausblick auf geplante Neuerungen, die in Zukunft auf die Beteiligten der sicheren Lieferkette zukommen werden. Es bleibt also weiterhin spannend!

Einen Überblick über die Haftungssituation bei den Beteiligten der sicheren Lieferkette erfolgte durch Herrn Prof. Dr. Elmar Giemulla. Es wurde schnell ersichtlich, dass hier ein großer Handlungsbedarf gerade bei den Haftungsgrenzen besteht.

Die Ziele des Ende Februar 2014 neu gegründeten Bundesverbands für Luftsicherheit e.V. „FASAG“ stellte Frau Annette Wiedemann vor. Ziel der FASAG ist es, höchstmögliche Luftsicherheit unter Beachtung der Wirtschaftlichkeit zu erreichen. Besonderes Augenmerk wird auf eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit anderen auf dem Gebiet der Luftsicherheit tätigen Verbänden gelegt.

Herr Dr. Jürgen Voigt von der Luft-Hafen-Umschlag Hamburg GmbH & Co.KG beleuchtete als Handlingsagent das Spannungsfeld zwischen Luftfrachtbeförderung und Luftfrachtsicherung. Es wurde schnell verdeutlicht, dass aufgrund der unterschiedlichsten Ziele der Beteiligten der Lieferkette eine nicht immer reibungslose und schnelle Abfertigung der Luftfracht zu gewährleisten ist. Herr Ingo Aßmann zeigt auf, wie schwierig es mitunter für Kontrollkräfte ist, Packstücke zu kontrollieren. Aufgrund der hohen Dichte des Materials können Packstücke nicht durchleuchtet werden, was intensive Nachkontrollen mit anderen Mitteln erfordert. Aber auch diese Techniken kommen an ihre Grenzen, was zu Verzögerungen bei der Beförderung führt.

Die Synergien zwischen dem bekannten Versender und dem AEO-Status stellte Herr Jürgen Knipfer der Siemens AG heraus. Aufgrund der Paketbombe aus dem Jemen wurde ein entsprechender Action-Plan der EU ins Leben gerufen. Hieraus gründete sich eine Arbeitsgruppe, deren Ziel eine Harmonisierung der Anforderungen an beide Programme ist.

Frau Petra Becker von der EUAVSEC vermittelte uns einen Einblick über die Arbeiten eines EU-Security Validierungsprüfers und den damit verbundenen Herausforderungen. Diese ergeben sich unter anderem aus den unzähligen Vorschriften, den unterschiedlichen und manchmal auch nur schwer nachzuvollziehenden Zuständigkeiten und natürlich aus den hoch komplexen Frachtnetzwerken selbst.

Herr Oliver Baumgart von der DEKRA Akademie GmbH Industrie & Aviation stellte in seinen Ausführungen vor, welche unterschiedlichen Pflichten und Anforderungen beim Versand von Gefahrgütern bei den verschiedenen Verkehrsträgern eingehalten werden müssen.

Welche Kriterien bei internen Audits angewendet werden können und wo die Probleme bei diesen Audits liegen führte Herr Stephan Elsner von der DEKRA Akademie GmbH Industrie & Aviation aus. Wichtig ist, dass die in den Sicherheitsprogrammen beschriebenen Prozesse, Methoden und Verfahren zur Luftsicherheit immer auf aktuellem Stand gehalten werden und jährlich anhand einer Auditcheckliste auf Aktualität überprüft werden.

Angesprochene vergangene und zukünftige Problemstellungen fanden zum Teil in den späteren Diskussionsrunden großes Interesse. Besonders die Teilnahme der an der Luftsicherheit maßgeblichen Behörden wie Luftfahrt-Bundesamt, Bundespolizeipräsidium und auch EU Kommission zeigten, wie interessiert alle an der Verbesserung und Umsetzung der gemeinsamen Ziele arbeiten.

Die Pausen ermöglichten Zeit zum Entspannen oder angeregte Gespräche in der idyllischen Atmosphäre am Zeuthener See - auf der Hotelterrasse oder dem hoteleigenen Barschiff. Als besonderes Highlight in diesem Jahr konnten wir auf der ILA Berlin Airshow exklusive Einblicke in die russische Bauweise einer Antonov AN 124 werfen. Der strahlende Blick der Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat uns gezeigt, dass wir mit diesem Erlebnis genau ins Schwarze getroffen haben

Der Abschlusstag am 22. Mai 2014 krönte die diesjährigen DEKRA Aviation Tage mit dem Fachtag „Aviation Safety“. Dieser schloss sich den Security Tagen an und wurde rückblickend durch alle Mitwirkenden zu einer erfolgreichen Veranstaltung.

Es wurden die grundlegenden Themengebiete des Aviation Safety Bereiches durch die hochkarätigen Referenten aus Behörden und Wirtschaft dargestellt. Hierbei bildete der Mittelpunkt die Wichtig- und Notwendigkeit der Implementierung von Safety Management Systemen sowie die Umsetzungen der rechtlichen Anforderungen aus Sicht der Unternehmen und der Behörden.

Zu Beginn blickten alle Beteiligten gespannt auf den Vortrag von Herrn Prof. Dr. Elmar Giemulla, welcher zu Haftungsfragen im Management bei Luftfahrt- und Instandhaltungsunternehmen referierte. Er ging dabei auf grundlegende Sicherheitsbarrieren auf Basis des Modells von Prof. Reesen ein und zeigte die rechtlichen Haftungsverhältnisse untereinander und gegenüber Dritten auf. In aller Deutlichkeit wurden mögliche Managementfehler und daraus resultierende Haftungsfolgen dargestellt. Allen Beteiligten wurde dabei klar, wie wichtig es ist, dass ein Safety Management System im Unternehmen gelebt werden muss und jeder zur Aufrechterhaltung durch sein Mitwirken dazu beitragen kann.

Herr Alexander Renkl von der airberlin technik GmbH zeigte dabei die Herausforderung bei der Umsetzung der Safety Management Systeme aus Sicht eines Luftfahrtunternehmens auf. Ebenso fokussierte er die Erforderlichkeit des Mitwirkens eines jeden Mitarbeiters im Unternehmen. Sein Vortag führte im Nachgang zu einer interessanten Diskussion.

Im weiteren Verlauf wurde den Teilnehmern seitens der EASA durch Herrn Willy Siegl die VO (EU) Nr. 965/2012 in Aufbau und Bedeutungsrahmen erläutert. Die strukturelle Darstellung und der Übergang zur Implementierung der europäischen OPS-Vorschriften bildeten den Schwerpunkt des Vortrags. Im Anschluss erhielten die Teilnehmer die Darstellung zur Umsetzung der rechtlichen Vorgaben seitens der deutschen Behörde. Diese wurde detailliert und interessant durch Herrn Axel Losansky – Abteilungsleiter für den Bereich Betrieb des Luftfahrt-Bundesamtes – den Teilnehmern vermittelt.

Nach einer erholsamen Pause in sonniger Atmosphäre gab es Vorträge von Herrn Joachim Wirths, Abteilungsleiter der Luftsicherheitsbehörde in Qatar und Herrn Christian Beckert, stellvertretender Leiter der Arbeitsgruppe Business Aviation Vereinigung Cockpit e.V. . Sie sollten die Teilnehmer dazu einladen, sich mit den Risiken der menschlichen Leistungsfähigkeit und der Safety Kultur vertraut zu machen. In beiden Vorträgen fesselten die Referenten die Teilnehmer durch die anregende Vortagsweise und die Brisanz der Thematik, welche zum anschließenden Nachdenken inspirierten. In beiden Vorträgen lag der Fokus auf den menschlichen Faktoren im komplexen Modul eines Safety Managements Systems und deren Handhabung. Abschließend bildete die Frage „Bestrafungssystem bei Fehlern, die durch Menschenhand erfolgten - oder Lernfaktor?“ eine Grundlage für eine Diskussionsrunde.

Frau Birgit Tönnissen, Luftfahrtexpertin, nutzte die Veranstaltung abschließend, um auf die Safetyrisiken beim Einsatz von Kabinenpersonal in der Business Aviation aufmerksam zu machen.

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten!

Nicht auf alle Unwägbarkeiten kann man sich vorbereiten. Leider haben nicht alle Dinge in der erwarteten Weise funktioniert. Zu nennen wäre hier die Technik zu Beginn unserer Veranstaltung und die Sichtbarkeit der Folien. Schade war auch, dass das geplante Lagerfeuer am zweiten Abend aufgrund der Waldbrandstufe 4 von der Feuerwehr verboten wurde.
Neben den o.g. Mängeln werden wir uns Ihre Anregungen und Wünsche zu Herzen nehmen, um auch im kommenden Jahr eine unvergessliche Veranstaltung auf die Beine zu stellen.

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