2017 Arbeitsmarktreport

DEKRA Arbeitsmarkt-Report 2018

In den meisten Arbeitsbereichen ist IT nicht mehr wegzudenken und Software ist ein zentraler Bestandteil in vielen Alltagsgegenständen. Dies macht sich auch am Stellenmarkt bemerkbar: Der Anteil offener Stellen für IT-Fachkräfte war noch nie so hoch wie in diesem Jahr. Arbeitgeber suchen aktuell am häufigsten Software-Entwickler. Dagegen befindet sich unter den Top-Ten-Berufen nur noch eine Ingenieurdisziplin: Architekten und Bauingenieure haben derzeit die besten Chancen.

Die vordersten zehn Plätze am Stellenmarkt sind jedoch keineswegs akademischen Berufen vorbehalten. Elektroniker, Gesundheits- und Krankenpfleger oder Vertriebskräfte gehören gleichermaßen zu den gefragtesten Fachkräften. Für die vorliegende Analyse wurden 12.966 Stellenangebote unter die Lupe genommen, um aktuelle Entwicklungen und Trends am Stellenmarkt herauszufinden.


IT setzt sich an die Spitze
Die Präsenz der IT-Berufe am Stellenmarkt ist erneut kräftig gestiegen. Stellen im Tätigkeitsfeld IT haben nun erstmals den höchsten Anteil an der Gesamtstichprobe und deutlich mehr als jeder zehnte gesuchte Kandidat findet hier sein neues Aufgabengebiet (13,1 %). Mit einem kräftigen Plus von 2,6 Prozentpunkten wurde dadurch der Bereich Verkaufsberatung und Vertrieb auf den zweiten Rang verwiesen. Dies ist umso bemerkenswerter, als dieser die erste Position seit 2008 mit nur einer Unterbrechung innehatte.

Innerhalb der IT-Berufe ist vor allem die Nachfrage nach Software-Entwicklern und Programmierern sowie IT-Beratern groß. Software-Entwickler befinden sich erstmals an der Spitze aller Berufe. Unter den Top- Ten-Berufen sind sie mit einer Ausnahme schon seit 2008 vertreten. Auf der Agenda von Unternehmen steht die Digitalisierung und Optimierung von Prozessen ganz weit oben. Insofern ist die Entwicklung bei IT-Beratern und IT-Analysten interessant: Dieser Spezialisierung ist der Sprung von Platz 27 im vergangenen Jahr auf den vierten Rang gelungen. Erstmals befinden sie sich unter den ersten zehn Berufen. Im Erhebungszeitraum waren insbesondere ITUnternehmen auf der Suche nach Beratern für das herausfordernde Projektgeschäft. Diese Entwicklung bestätigt die Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit, die zuletzt wieder einen Mangel im Bereich ITAnwendungsberatung beobachtete, obwohl sich die Lage in diesem Beruf davor entspannt hatte. Die Unterstützung durch IT-Berater wird gefragt bleiben, da alle Branchen von der Digitalisierung betroffen sind. Besonders Kandidaten, die sowohl Kenntnisse in IT als auch in betriebswirtschaftlichen Prozessen mitbringen, profitieren von dieser Entwicklung.

Betrachtet man die IT-Stellenangebote separat, wird der überdurchschnittliche Anstieg bei IT-Beratern deutlich. Relativ gesehen, hat dies Software-Entwicklern Anteile im Vergleich zum Vorjahr gekostet. Fachkräfte, die in der Systemadministration und im Support Hand anlegen, konnten sich im Erhebungszeitraum ebenfalls über eine deutlich größere Auswahl offener Stellen freuen. Auch bei Offerten für Fachleute im Bereich IT Security wurde ein Anstieg beobachtet; ihr Anteil innerhalb der Gesuche nach IT-Fachkräften liegt bei 5,1 %. Zu den Top- 25-Berufen zählen fünf IT-Berufe; keines der 27 anderen Tätigkeitsfelder ist so stark in der Spitzengruppe vertreten. Bei den ITBerufen ist ein Ende des Aufwärtstrends nicht absehbar. Die klassischen Ingenieurdisziplinen entwickeln sich stärker in Richtung IT, dadurch vergrößert sich der Wettbewerb um die Fachkräfte zusätzlich, auch außerhalb der ITBranche.


Etwas Entspannung bei Ingenieuren
Die Lage am Stellenmarkt für Ingenieure scheint sich etwas zu entspannen. Erstmals sind weder Ingenieure für Maschinen- und Fahrzeugbau noch Ingenieure für Elektrotechnik unter den Top-Ten-Berufen vertreten. Sie teilen sich nun die zwölfte Position. Architekten und Bauingenieure sind derzeit klar die „Aufsteiger“ innerhalb der klassischen Ingenieurdisziplinen.

Der anhaltende Bauboom sorgt für beste Bedingungen bei Absolventen dieser Fachrichtungen. Laut Hauptverband der Deutschen Bauindustrie ist insbesondere die Nachfrage nach Bauingenieuren ungebrochen. Hier hat sich die Zahl der offenen Stellen demzufolge von 2009 bis 2017 verdreifacht.

Steigende Absolventenzahlen und die Zuwanderung haben die Lage bei Ingenieuren zuletzt etwas entspannt. Dennoch bleibt die Nachfrage hoch – allein schon mit Blick auf das bevorstehende Ausscheiden der Baby-Boomer-Generation am Arbeitsmarkt. Die Fachkräftesituation in den technischen Ausbildungsberufen entwickelt sich deutlich drastischer als bei den akademischen, wie zuletzt auch der MINT-Report des IW Köln festgestellt hat. In dieses Bild fügt sich, dass mit den Elektronikern regelmäßig ein Ausbildungsberuf ganz vorne auf der Liste der gesuchtesten Fachkräfte steht. Sie befinden sich in diesem Jahr an der zweiten Stelle. Ebenso verzeichnen Elektro- und Messtechniker sowie Mechatroniker in diesem Jahr Höchststände innerhalb ihrer Berufsfelder. Die Tätigkeitsfelder der Metall-, Elektro- und Technikerberufe haben insgesamt gegenüber dem Vorjahr Anteile hinzugewonnen.


Neue Recruiting-Ansätze im Gesundheitswesen
Gesundheits- und Krankenpfleger sind seit der ersten Erhebung 2008 ununterbrochen auf den vordersten Rängen präsent, in diesem Jahr auf der dritten Position. Der Rückgang ihres Anteils an der Gesamtstichprobe und innerhalb des Berufsfeldes Service gleicht vermutlich in erster Linie den überproportional starken Anstieg im Vorjahr aus. Dafür spricht auch die durchschnittliche Vakanzzeit von 146 Tagen von Stellen in der Gesundheits- und Krankenpflege. Zum Vergleich: 2016 benötigten Arbeitgeber 129 Tage, um hier eine offene Stelle zu besetzen. Recruiter im Gesundheitswesen haben deshalb keinen Anlass aufzuatmen, auf eine Entspannung können sie bei der Personalgewinnung nicht hoffen. Sie entwickeln neben den gewohnten
Recruiting-Kanälen verstärkt neue Instrumente zur Personalgewinnung und Kampagnen, wie beispielsweise großflächige Plakataktionen. Dies scheint auch bei Ärzten der Fall zu sein, ihr Stellenanteil ist das dritte Jahr in Folge gesunken. Insgesamt hat die Zahl der berufstätigen Ärzte in Deutschland ein wenig zugenommen und Mediziner aus dem Ausland entspannen die Situation etwas. Ihre Zahl war 2017 um rund 4.000 auf 50.809 gestiegen.


Wirtschaftswissenschaftler und Juristen gefragt
Trotz eines Rückgangs benötigen Arbeitgeber weiterhin viele Wirtschaftswissenschaftler. Die Einbußen bei ihrem Stellenanteil gehen vor allem auf das Konto von zwei Faktoren: Erstmals wurden die Offerten für Wirtschaftsprüfer bzw. Steuerberater gesondert ausgezählt. Sie gehörten bislang in dieselbe Kategorie wie die Wirtschaftswissenschaftler. Außerdem
war der Anteil im Vorjahr überdurchschnittlich stark gestiegen. Nach den Wirtschaftswissenschaftlern zählte die Analyse am häufigsten Angebote für Rechtswissenschaftler bzw. Juristen im Tätigkeitsfeld Gesundheits-, Sozial- und Rechtsberatung. Ihr Anteil ist etwas gewachsen und liegt so hoch wie in keiner der bisherigen Erhebungen. Absolventen dieser Fachrichtung profitieren nicht nur von der hohen Auslastung deutscher Gerichte im Zusammenhang mit der Bearbeitung von Asylanträgen. Mit der Digitalisierung entstehen für Rechtswissenschaftler völlig neue Aufgabengebiete und


Vertrieb im Wandel
Jedes zweite Jobangebot im Berufsfeld Beratung richtet sich an Bewerber mit Erfahrung oder Affinität im Tätigkeitsfeld der Verkaufsberatung. Zu den zehn am häufigsten gesuchten Berufen gehören Kundenbetreuer und -berater (Platz 6), Vertriebsmitarbeiter und -assistenten (Platz 8) sowie Sales Manager (Platz 9). Der hohe Bedarf an Fachkräften für die Verkaufsberatung überrascht nicht, tragen sie doch wesentlich dazu bei, Kunden zu gewinnen und an das Unternehmen zu binden. Interessant ist die Entwicklung bei Call-Center-Agents: Sie liegen innerhalb des Berufsfeldes das dritte Jahr in Folge deutlich unter der 10-Prozent-Marke (7,4 %) und andere Berufe sind an ihnen vorbeigezogen. Sie befinden sich derzeit auf Position 16.


Das Tätigkeitsfeld verändert sich tiefgreifend, darüber kann auch die weiterhin starke Präsenz in der Gesamtstichprobe nicht hinwegtäuschen. Unternehmen setzen hier zunehmend neue Technologien, wie Chatbots, Künstliche Intelligenz, Augmented und Virtual Reality ein. Dies wird sich auf die Mitarbeiterstrukturen auswirken und neue Anforderungen an Mitarbeiterkompetenzen im Vertrieb und Verkauf mit sich bringen.


Projektmanager haben die Wahl
Gut jede zehnte Offerte beinhaltet Führungsaufgaben (11,5 %); damit ist die Quote an Stellen mit Personalverantwortung stabil geblieben. Vor allem ambitionierten Projektmanagern bieten sich vielfältige Jobchancen. Dies dürfte weiter so bleiben, zumal Projektarbeit tendenziell zunimmt, teilweise sogar über die Unternehmensgrenzen hinaus. Außerdem wurden in diesem Jahr besonders viele offene Positionen für Abteilungsleiter gezählt, nachdem im Vorjahr für diese Position im mittleren Management weniger Angebote verfügbar waren. Immerhin 40 Offerten versprechen eine Firmenleiter- bzw. Geschäftsführerposition. Diese spiegeln vermutlich nicht den wirklichen Bedarf wider, zumal derzeit viele Unternehmen einen Geschäftsnachfolger
suchen. Je höher eine Führungsposition in der Hierarchie angesiedelt ist, desto wahrscheinlicher vergeben Unternehmen die Suche an einen Headhunter.

In zahlreichen Unternehmen und Branchen ist es eine große Herausforderung, offene Stellen zu besetzen. Dabei bewegen sich viele Berufe unter dem „Radar“ von Rankings der am häufigsten gesuchten Fachkräfte – Busfahrer, Zugführer oder Fahrlehrer sind nur wenige Beispiele. Hier agieren Recruiter in einem vergleichsweise kleinen Markt und sie suchen neue Mitarbeiter meist lokal oder regional. Insofern muss man die Top-Ten-Berufe als das sehen, was sie sind: Berufe, in denen deutschlandweit die meisten Fachkräfte benötigt werden und für die es gesamtwirtschaftlich gesehen auch sehr viele Arbeitsplätze gibt. Dies schließt nicht aus, dass Personalverantwortliche anderer Bereiche nicht vor mindestens ebenso großen Herausforderungen bei der Mitarbeitersuche stehen.



Inhalte des DEKRA Arbeitsmarkt-Reports 2018:

  • Stellenmarkt: IT verdrängt klassische Ingenieurdisziplinen
  • Die Berufsfelder im Überblick
  • IT-Security: Arbeiten in einem Zukunftsfeld
  • Interview mit Dr. Bernd Eßer: Lernbereitschaft als Grundvoraussetzung
  • Facility Manager: Multitalente auf vielen Gebieten
  • Interview mit Frank Merry: Neue Arbeitswelten verändern Facility Management
  • Exkurs: Logistik: Auf dem Sprung in eine neue Arbeitswelt?
  • Gastkommentar von Dr. Dirk Dreher: Logistik lebt Digitalisierung

Der DEKRA Arbeitsmarkt-Report 2018 kann kostenfrei per E-Mail unter angefordert werden und steht als Blätterkatalog zur Verfügung .

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