Gewaltdarstellungen in den Medien

Faust und Hand, die aufeinandertreffen, © Romolo Tavani - Fotolia
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In einem Interview hat Prof. Dr. Marcus Stiglegger von der DEKRA Hochschule für Medien in Berlin erklärt, wie sich die Gewaltästhetik in Film und Fernsehen verändert.

Im Zentrum des Gesprächs mit Claudia Mikat und Christina Heinen von der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF), das auf tv diskurs veröffentlicht worden ist, stand die Frage, wie sich die neuen Formate vor allem auf Jugendliche auswirken. So erfreuen sich derzeit insbesondere Dystopien, wie zum Beispiel „The Walking Dead“, großer Beliebtheit. Dabei handelt es sich zumeist um düstere und kritische Zukunftsvisionen, in denen sich die bekannten Gesellschaftsstrukturen nach und nach auflösen. Indirekt bieten sie daher die Möglichkeit, sich in übersteigerter Form mit aktuellen Problemen, wie dem Scheitern demokratischer Systeme, Machtmissbrauch oder Ausbeutung, auseinanderzusetzen.

Den Grund für ihre derzeitige Popularität insbesondere bei jungen Menschen sieht Marcus Stiglegger darin, dass die Themen Rebellion und Revolte stark mit der Pubertät verknüpft sind. Er unterscheidet dabei zwischen der ideologischen Perspektive und dem Wunsch nach einem individuellen und persönlichen Aufstand, der Ersterem oft als Impuls zugrunde liegt. Aktuellen Medienproduktionen gelingt es oft, diese beiden Ebenen erfolgreich miteinander zu verbinden. So verfügt die jeweils thematisierte jugendliche Rebellion häufig über das Potenzial, die gezeigten gesellschaftlichen Umstände zu verbessern. Ein gelungenes Beispiel hierfür ist die bekannte Hunger-Games-Film- und Buchreihe.

Aber auch der Tod und schwere Verletzungen spielen in modernen Produktionen eine große Rolle. Hier vermutet der Berliner Kulturwissenschaftler einen Zusammenhang mit der Problematik, dass Tod, Alter und körperliche Einschränkungen in der Realität oft ein Tabuthema darstellen. Der Fokus liegt zunehmend auf Effizienz und Selbstoptimierung. Film- und Fernsehproduktionen stellen daher einen Weg dar, diesen Trend zu hinterfragen. Für die Prüfer der FSF stellt sich somit die Frage, wie sie mit dieser Entwicklung umgehen und einzelne Produkte hinsichtlich ihrer Eignung für unter 18-Jährige bewerten: Welche Gewaltdarstellungen sind ungeeignet und welche fördern das kritische Denken der Heranwachsenden, sind also eher als Metaphern zu sehen?

In der Praxis ist ausschlaggebend, wie drastisch die gezeigten Bilder sind. Nicht jede Altersgruppe kann solche Szenen gleich gut verarbeiten. Allerdings verschieben sich hierbei die Grenzen: Gewaltszenen die vor einigen Jahrzehnten für ein zwölfjähriges Kind noch als gefährdend galten, können heute durchaus eine entsprechende Altersfreigabe erhalten. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass auch Jugendliche sich aktiv mit negativen Aspekten des Lebens auseinandersetzen müssen. Hierbei gilt es jedoch das richtige Maß zu finden und nur das freizugeben, was die entsprechenden Zielgruppen auch verkraften können. Filme oder Serien, die zu Gewalt aufrufen, sind hingegen ausschließlich für ein erwachsenes Publikum geeignet.

tv diskurs: Gewalt sollte beklemmend sein!

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