Interview: Ein neuer Weg zu Berufskraftfahrern

Ein neuer Weg zu Berufskraftfahrern
Martin Birkle, Ausbildungsleiter, Alfred Schuon GmbH

Der Fahrermangel beginnt schon bei der Ausbildung. Diese Erfahrung macht das Speditions- und Logistikunternehmen Alfred Schuon GmbH jährlich, wenn es darum geht, die Ausbildungsplätze zu besetzen. Und geht nun mit einem ganz neuen Konzept an den Start: zwei Ausbildungen in vier Jahren.

Ausbildung wird bei Schuon seit jeher großgeschrieben. Sie ist ein wichtiges Element für den eigenen Anspruch an Qualität und Sicherheit. Das Ziel, jährlich sechs junge Menschen auf die berufliche Zukunft als Berufskraftfahrer vorzubereiten, bleibt jedoch ein Wunsch. Denn trotz attraktiver Bedingungen gelingt es nicht, alle Ausbildungsplätze zu besetzen.


„Das Ziel, jährlich sechs junge Menschen auf die berufliche Zukunft als Berufskraftfahrer vorzubereiten, bleibt ein Wunsch.“


Häufige Krux: das Alter

Wir haben festgestellt, dass Haupt- und Werkrealschüler sich für die Ausbildung durchaus interessieren, aber wenn sie die Schule verlassen, sind sie in der Regel erst 15 oder 16 Jahre alt. Und damit zu jung für die Ausbildung. Hier ist Schuon als Ausbildungsbetrieb in einem Dilemma: Die Kandidaten zwei Jahre nur theoretisch auszubilden, bis sie den CE-Führerschein machen können, wird der Ausbildung und dem späteren Beruf nicht gerecht. Andererseits gehen potenzielle Auszubildende verloren, weil sie dann einen anderen Berufsweg einschlagen. Also hat das Unternehmen beschlossen, zusätzlich zur klassischen dreijährigen Ausbildung, einen neuen Weg auszuprobieren und das „2plus2-Modell“ entwickelt.

Zwei Ausbildungen in vier Jahren
Die Jugendlichen steigen mit der zweijährigen Ausbildung zum Fachlageristen ein. Wenn sie diese abgeschlossen haben, stehen ihnen verschiedene Wege im Unternehmen offen: Sie hängen noch zwei Jahre dran und absolvieren die um ein Jahr verkürzte Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Alternativ können sie mit einem zusätzlichen Jahr den Abschluss zur Fachkraft für Lagerlogistik machen oder aber direkt als ausgebildete Fachlageristen bei uns arbeiten.

Um einen zusätzlichen Anreiz zu schaffen, winken angehenden Berufskraftfahrern attraktive Rahmenbedingungen: Das Unternehmen übernimmt nicht nur den Lkw-, sondern auch den Pkw-Führerschein. Zusätzlich profitieren sie von dem Grundsatz „voller Lohn bei voller Fahrt“ – egal, ob sie den klassischen Ausbildungsweg oder das 2plus2-Modell wählen. Sobald die Nachwuchsfahrer so weit sind, dass sie alleine fahren, erhalten sie den vollen Fahrerlohn.

Von der 2plus2-Ausbildung profitieren beide Seiten: Die Auszubildenden kennen das Unternehmen nach zwei Jahren und wissen ganz genau, was auf sie zukommt. Damit ist auch die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass sie die Lehre abbrechen. Ebenso lernen wir die zukünftigen Fahrer gut kennen. Die Berufskraftfahrer-Ausbildung ist durchaus ein gewisses Investment für Arbeitgeber; allein die Kosten für den Lkw-Führerschein belaufen sich auf rund 5.000 Euro.

Persönlichkeit zählt
Für die Ausbildung suchen wir die Besten, aber das bezieht sich ausdrücklich nicht allein auf die Schulnoten. Für die Tätigkeit in der Fahrerkabine sind Verantwortungsbewusstsein und Selbstständigkeit wesentliche Voraussetzungen. Denn wenn Fahrer später alleine unterwegs sind, müssen sie laufend eigenständig Entscheidungen treffen und flexibel neue Situationen meistern. In anderen Berufen ist es oft möglich, bei einem Problem länger nachzudenken oder es erst am nächsten Tag zu lösen. Das geht bei Berufskraftfahrern nicht. Sie müssen bei einer unerwarteten Herausforderung sofort entscheiden, was sie machen oder wen sie informieren müssen.

Es wäre vermessen, von 15- oder 16-Jährigen, die gerade von der Schule kommen, das alles schon vorauszusetzen. Aber meist kann man schon im Auswahlprozess gut einschätzen, ob das Entwicklungspotenzial vorhanden ist. Wir betrachten den jungen Menschen als Ganzes und wenn er oder sie gewisse persönliche Eigenschaften, Freude an Technik und digitalen Medien mitbringt und sich mit Beruf und Unternehmen auseinandergesetzt sowie eigenständig Gedanken dazu gemacht hat, dann gleicht das die eine oder andere nicht so gute Note voll aus.


Angebote der DEKRA Akademie

Unsere Weiterbildungen & Informationen im Breich Transportlogistik finden Sie hier.