Arbeitsmarkt-Report: Hygiene ist Chefsache

Wolfgang Tröster
Wolfgang Tröster, Hygieneinspektor

Sie ist schwer greifbar, kostet Zeit und Geld. Doch die Folgen, wenn die Hygiene in Gesundheitseinrichtungen vernachlässigt wird, kommen alle Beteiligten weit teurer zu stehen. Infektionserreger lassen sich zwar nicht vollständig ausrotten, aber auf ein Mindestmaß reduzieren.

Wirkungsvolles Hygienemanagement gelingt jedoch nur in entsprechenden Organisationsstrukturen, mit einer Aufwertung von Thema und Funktion sowie mit qualifiziertem Personal. Als Hygieneinspektor im öffentlichen Gesundheitsdienst habe ich eines gelernt: Der Stellenwert von Hygiene ist nicht hoch genug anzusiedeln. Gesetzgeber und Fachgesellschaften haben in den letzten Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um bessere Rahmenbedingungen und ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen. Dennoch wird das Hygienemanagement noch nicht überall in der nötigen Qualität umgesetzt.

Es gibt viele Gründe, warum die organisatorischen und technischen Voraussetzungen noch nicht flächendeckend umgesetzt werden, um Infektionen auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Die Beteiligten kennen zwar die rechtlichen Rahmenbedingungen, aber die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts werden oft auch nur als solche zur Kenntnis genommen. Dabei sind sie als Stand der Technik zu beachten. Ein großer Hemmschuh bleibt aber die Tatsache, dass das Thema bei der Leitung von Kliniken und anderen Gesundheitseinrichtungen oft nicht den Stellenwert hat, den es haben müsste.

Aufwertung der Funktion
Die Dringlichkeit ist bekannt und die Organisationen beschäftigen auch das vorgeschriebene qualifizierte Hygienepersonal. Krankenhaushygieniker und Hygienefachkräfte haben eine bedeutende Funktion und müssen oft ungeeignete Strukturen bemängeln. Nur mit entsprechenden organisatorischen und strukturellen Veränderungen können Klinikbetreiber ihr Hygienemanagement auf ein weit professionelleres Niveau heben. Deshalb gehört es in der Aufbauorganisation unmittelbar als Stabsstelle in die Ebene der Einrichtungsleitung mit einer engen Schnittstelle zum Qualitätsmanagement. Wenn Hygienespezialisten auf Augenhöhe mit der ärztlichen Leitung und der Direktion kommunizieren, erzielen sie eine ganz andere Wirkung. Das ist auch im Sinne der Direktion, denn sie kann zwar einen Krankenhaushygieniker beauftragen, aber die Verantwortung nicht delegieren. Je näher das Management an dieser wichtigen Schnittstelle ist, bzw. das Fachpersonal im eigenen Wirkungsbereich hat, desto besser kann es seiner Verantwortung nachkommen. Kurze Kommunikationswege ermöglichen es, bei Bedarf schnell zu reagieren, sowohl in Richtung des Managements als auch in Richtung der Mitarbeiter.

Handlungsfähige Mitarbeiter als Schlüssel
Die flächendeckende und dauerhafte Verankerung der Parameter einer wirksamen Infektionshygiene erreichen Gesundheitseinrichtungen nur durch kontinuierliche und prozessorientierte formale Qualifizierung aller Mitarbeiter. Genauso wichtig ist es, ihr Bewusstsein für kritische Schnittstellen im Hygieneprozess zu schärfen und wachzuhalten; im oft stressigen Arbeitsalltag geht dies schnell verloren oder wird vernachlässigt. Hier genügt eine Weiterbildung im Jahr nicht, es sollte über kontinuierliche Impulse geschehen. Das muss nicht immer eine großangelegte Qualifizierungsmaßnahme sein, sondern kann auch informell im Rahmen einer Dienstbesprechung oder einer kurzen praktischen Unterweisung stattfinden. Es geht vor allem darum, dass alle Mitarbeiter ihr Handeln und potenzielle Gefahrenquellen im täglichen Arbeitsprozess immer wieder reflektieren. Die Beschäftigung mit dem Thema in der konkreten Arbeitsumgebung kann nicht hoch genug bewertet werden; sie stellt die Verbindung zwischen dem theoretischen und praktischen Wissen her und bewirkt eine nachhaltige Verhaltensänderung. Hier spielen Hygienebeauftragte und -fachkräfte eine zentrale Rolle, sie geben den Mitarbeitern die nötigen theoretischen und praktischen Hintergrundinformationen. Nur wenn Arbeitgeber und Beschäftigte den Infektionsschutz zu ihrer eigenen Sache machen und Maßnahmen zur Förderung der Compliance mit den einmal festgelegten und als effizient erkannten Methoden durchführen, wird Infektionsprävention nicht als bevormundende Fremdbestimmung wahrgenommen und durch persönliche Befähigung und Übertragung von Aufgaben den Zielstellungen eines umfassenden Hygienemanagements gerecht.


DEKRA Arbeitsmarkt-Report 2017

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