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DEKRA Akademie Brühl

Der Europäische CNC-Führerschein (E-CNC-DL) macht Qualifikationen vergleichbar

10.11.2011 - CNC-Zertifizierung soll
Fachkräftemangel lindern

Spätestens seit dem Anziehen der Konjunktur verspürt die Zerspanungsbranche
wieder verstärkt den Mangel an qualifizierten CNC-Fachkräften.
Dem steht eine Lehrausbildung gegenüber, die oftmals abstraktes Wissen
vermittelt, das nicht nah genug an der betrieblichen Praxis liegt und
für theorieschwache Kandidaten eine Hürde darstellt. Abhilfe soll nun
ein europäischer CNC-Führerschein schaffen, den der Schulsoftware-
Spezialist Keller und die Dekra Akademie entwickelt haben.

„Es ist viel leichter, sich eine CNC-Maschine zu kaufen, als einen Facharbeiter für diese Maschine zu bekommen“, brachte Marcus Miska, Chef der Freiburger Neotec Systemtechnik , in der ARD-Tagesschau Ende August ein Problem zur Sprache, das zunehmend die wirtschaftliche Erholung belastet: den Mangel an CNC-Fachkräften. Verschärfend wirkt, dass in  Deutschland offensichtlich auch ein CNC-Qualifizierungsmangel herrscht. Die Ergebnisse der Worldskills-Berufsweltmeisterschaften seit 1997 etwa dokumentieren, dass der Lorbeer des dualen Ausbildungssystems zu welken beginnt: Teilnehmer aus Österreich, Japan und Korea haben dort die Medaillen abgeräumt – Deutschland ging bislang leer aus. Zwar wurde im Rahmen der Neuordnung des Lehrberufs Zerspanungsmechaniker 2004 und 2007 auch das PAL-Programmiersystem  für Drehen und Fräsen modernisiert – mit dem Ziel, eine bundesweit einheitliche Vermittlung und Prüfung der CNC-Technik zu ermöglichen. Neben der zwar genormten, aber nur auf die CNC-Theorie bezogenen
PAL-Prüfung gibt es jedoch bisher noch keine einheitliche Richtlinie für eine CNC-Qualifikation in Theorie und Praxis. „PAL ist und bleibt eine Theoriesprache, vergleichbar Esperanto, die keiner realen CNC-Steuerung hundertprozentig gerecht wird“, bemängelt Siegfried Keller, der mit seiner Schulsoft - ware eine Art De-facto-Standard in der CNCAusbildung definiert hat. Außerdem fehlte es bislang an länderübergreifenden Qualifizierungsstandards. Fachkräften aus anderen europäischen Ländern, die deutschen Firmen durchaus helfen könnten, wird es schwer gemacht, eine vergleichbare
Qualifikation nachzuweisen.

Einheitliches Qualifizierungsniveau
Abhilfe soll jetzt der europäische CNC-Führerschein (E-CNC-DL) schaffen: Facharbeiter aus metallgewerblichen Berufen haben seit September 2010 die Möglichkeit, bei der Dekra Akademie eine CNC-Qualifikation in Theorie und Praxis nach bundesweit einheitlichen Kriterien zu erwerben. Der CNC-Führerschein dokumentiert ein einheitliches Qualifizierungsniveau an den aktuellen Siemens- und Heidenhain-Steuerungen. In der Pilotphase basiert der CNC-Führerschein auf dem Einsatz moderner Produktionsmaschinen der Firma Spinner. Der neue CNC- Führerschein ist ein Ergebnis eines von der EU gestützten Konzepts zur Definition europäischer Hightech-Führerscheine und schafft erstmals die Voraussetzung dafür, standardisiertes Fachwissen in diesem Bereich erwerben und nachweisen zu können. In Deutschland wird er exklusiv von der Dekra Akademie angeboten und auch zertifiziert. „Die Dekra Akademie ist international vertreten und bringt ihren Namen wie auch ihre Neutralität mit ein“, nennt Keller die Vorzüge dieser Zusammenarbeit. Das Dekra-Zertifikat für die vier-Phasen Qualifizierung umfasst Teilprüfungen für jede einzelne Phase. Die Inhalte des CNC-Führerscheins wurden
federführend von der R. & S. Keller GmbH gestaltet. „Unser CNC-Bildungskonzept
wird so zum europäischen Standard erhoben“, freut sich Keller. Lediglich die unterste
Phase – die virtuelle Werkstatt – ist weggefallen. Der Kurs startet direkt mit CNC-Grundlagen und der Programmierung am DIN-Simulator. In der zweiten Phase stehen Bedienung und Programmierung an der realen Steuerung von Siemens bzw. Heidenhain an. Im dritten Schritt lernen die Teilnehmer, wie sich grafische Programmiermethoden für die Fertigung komplexer Werkstücke nutzen lassen. Im vierten Schritt schließlich folgt das Einrichten der CNC-Maschine und das Fertigen von Werkstücken. Die entstandenen Teile sind zwar nicht für den Verkauf bestimmt, aber Schrott wird dennoch nicht produziert, aber es sind schon sinnvolle Dinge für den täglichen Gebrauch wie Schachfiguren oder Briefbeschwerer. „Die Ausbildungsinhalte sollen den realen Fertigungsbetrieb abbilden“, betont Keller. „Dort steht Produktivität der Zerspanung
an erster Stelle, deshalb müssen heutige Schnittdaten auch fahrbar sein.“ Die Lehrgänge
starten an sechs Standorten in Deutschland: in Brühl, Kaiserslautern, Leipzig, Stuttgart, Ulm und Wuppertal. Weitere Standorte sollen folgen. „Die Zahl der Teilnehmer pro Kurs wird zwischen 12 und 16 liegen“, erläutert Dr. Peter Littig, Direktor Bildungspolitik/-strategie bei der Dekra Akademie. Adressaten sind zum einen Arbeitskräfte aus dem Metallbereich. Da hier nicht davon ausgegangen werden kann, dass dieser Personenkreis bereits gute und umfassende
Kenntnisse insbesondere der konventionellen Fertigungs-, Mess- und Prüftechnik mitbringt,
werden für die Umschulung bzw. Weiterbildung rund 12 Monate veranschlagt.
Deutlich schneller am Ziel ist die zweite Gruppe: Fachkräfte mit Lehrabschluss im Metallbereich werden in rund sechs Wochen weitergebildet. Fachkräfte, die bereits CNC-Theorie und -Praxis beherrschen, kommen schließlich ohne weitere Schulungen aus und können ihr Wissen – insbesondere ihre Kompetenz bei der Fertigung an CNC-Maschinen – dem Dekra-Zertifizierer unter Beweis stellen. „Das ist innerhalb eines Tages machbar“, erläutert Keller. Im positiven Fall erhält der Bewerber direkt den E-CNC-DL. Auch Umschulungen, gefördert von der Bundesakademie für Arbeit, finden statt. In sechs Monaten können sich Arbeitssuchende die Grundlagen des Metallhandwerks, in weiteren sechs Monaten das CNC-Rüstzeug aneignen. Sie profitieren in besonderem Maße vom hybriden Ausbildungskonzept, das Präsenzveranstaltungen mit virtuellem Lernen verbindet. Die Keller-Software kann als Home-Version auf dem heimischen PC installiert werden und bietet so die Chance, zu Hause zu üben.

Positive Resonanz in der Branche
Die Einführung des europäischen CNC-Führerscheins ist in der Branche sofort positiv
aufgenommen worden. Vertreter von Unternehmen wie Liebherr oder Festo haben noch auf der AMB das Vorhaben begrüßt. Auch im osteuropäischen Ausland stößt das Projekt auf großes Interesse. So äußerte sich Prof. Woijech Zebala von der Technischen Universität Krakau begeistert von der Idee. Er strebt bereits eine Kooperation der TU Krakau mit der Dekra an. Auch Prof. Valdur Veski von der Technischen Hochschule Tallinn meldete Interesse an. Besonders angetan ist er davon, dass Keller Software und Arbeitshefte komplett auf Estnisch entwickelt hat. Für Keller kommt das Interesse nicht von ungefähr: „Es
gibt in diesen Ländern viele junge CNC-Spezialisten, die zum Teil keine Arbeit finden. Wenn sie einen von der Dekra zertifizierten CNC-Führerschein mit europäischer Dimension in den Händen hielten, würden ihre Bewerbungschancen etwa in Deutschland gewaltig steigen.“

 

NEWS

04.05.2012 - Einladung zum DEKRA-Unternehmer-Treff „Schweißtechnik“ am 23.05.2012
04.05.2012 - Einladung zur Infoveranstaltung DEKRA Akademie Brühl zum Thema "Europäischer CNC-Führerschein / Berufsbegleitende Qualifizierung nach dem Blended Learning Konzept am 30.05.2012
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